Ich lag da, wie ein Stück Holz

7. Juli 2025

TAB Bildungs-Kurs

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alles ausser gewöhnlich

Ein eindrücklicher Bericht von Anita aus ihrem Leben

Eine Frau mit Helm und Brille lächelt vor einer Glocke

Ich lag da, wie ein Stück Holz...

Jetzt habe ich einen Zahnarzt gefunden! Sie kommt zu mir, das ist super. Sie macht es gut. Fr. Krausse, die ehemalige Zahnärztin, hat gefragt, ob meine Zähne seit einem Jahr keine Zahnbürste gesehen hätten. Das hat mir schon sehr zu denken gegeben. Ich finde das nicht so anständig. Ich habe mich dann schriftlich verabschiedet und habe eine neue Zahnärztin gefunden. Sie kommt zu mir, einzig das Nachspülen geht nicht wie in einer Praxis. Ich putze meine Zähne elektrisch und dann spüle ich mit Kamillosan. So habe ich auch Unterstützung vom Pflegepersonal. Das findet Fr. Keller sehr gut. Mit dem Fotoapparat hat sie meine Zähne fotografiert. Peter muss jetzt auch nicht mehr mit. In einem halben Jahr habe ich wieder einen Termin. Ich hatte keine Löcher.


Neu gehe ich Ende April kochen im HPZ Kreuzlingen. Da kann ich gut mit dem Rollstuhl hin und werde gut unterstützt. Da komme ich selber hin. Von 14-17 Uhr. Ich esse nicht, aber ich war dabei. Mir macht das so nichts aus, wenn die anderen essen und ich nicht. Ich konnte nicht in der Küche mithelfen, das ging nie wegen dem Hygienekonzept. Er hat mich einfach angemeldet, ohne mich zu fragen. Ein neuer Zuzüger ist sehr nervig, so kann ich etwas ausweichen. Zahlen muss ich nichts und ich bin froh darum.

Unterhosen und eine neue Handtasche, für 29.90, habe ich gekauft. Ab und zu gibt’s einen Zustupf. Geld für Briefmarken oder Coiffeur und Fusspflege habe ich auch noch.


Am Palmsonntag war ich unterwegs. Bis nach Arbon auf dem Veloweg, der Akku hielt.

Ich habe ein Kabel immer dabei, dann kann ich aufladen wenn nötig.

Eine gute Stunde hatte ich, es war sehr schönes Wetter. War spät gestartet, hatte noch einen Notfall. Eine musste ins Spital, wegen Sauerstoffmangel.


Heute hörte ich auch noch was im Radio, wegen der IV-Rente, ich konnte es nicht gut verfolgen. Sie wird nicht erhöht. Am 10.Mai haben wir wieder Abstimmungs-Samstig bei TAB.

Am 3. Mai, für das Jubiläumsfest von TAB bin ich um 14 Uhr in Weinfelden, es sollte mich jemand abholen. Es hat jetzt so rote Fähnchen an der Freiestrasse. Ich weiss gar nicht was das bedeutet, ich muss mal nachfragen.


Warum ich diese Beeinträchtigungen habe:  Bei der Geburt hatte ich die Nabelschnur um den Hals. Ich lag da wie ein Stück Holz! Ein hilfloses Geschöpfli. Ich wollte nichts sehen, ich habe meine Augen zugekniffen.


Meine Mutter hatte mich dann im Spital gelassen, Frauenklinik Zürich. Sie hat dreimal geheiratet. Erster, Peter, Vater von Ursula, meine Halbschwester. Zweiter, Bündner, ist mein Vater, 7.12.1954. Dritter, Gerber, Daniela Halbschwester


Mein Vater ist tödlich verunglückt. Er war mit einer Wanderbühne unterwegs. Ich habe ihn nicht gekannt. Meine Mutter kannte ich auch nicht. Ich bin in einem Heim aufgewachsen. Ich kenne den Namen nicht mehr. Im Heim dachten sie, ich sei ein abnormales Kind, mich darf man nicht sehen. Dann musste ich ins Spital. Im Juni 1957 zog ich nach Romanshorn.


Mein erstes Wort war: Hanni, schlussendlich gab es dann Hanni. So hiess meine Pflegemutter. Die hat mich aufgenommen. Sie hat mich adoptiert. In Romanshorn verbrachte ich meine Schulzeit bis 1972. Ich ging gerne zur Schule. Mutter und Tante haben mich abwechslungsweise in die Schule gebracht.. 4 Jahre war ich beim gleichen Lehrer, Remo Klematid. Bis zur 4. Klasse. Er war wie ein Vater für mich. Ich habe lesen und schreien gelernt, mit grossen Buchstaben, dann bin ich zum Werner G. zur Schule. Ich musste nicht weit. Handarbeit, inklusiv nähen habe ich auch gemacht, da haben sie gemerkt, dass mit meinen Augen etwas nicht stimmt. Ich habe ein Augenhintergrund- Zittern. Darum habe ich auch so grosse Buchstaben geschrieben.


20 Monate hatte ich einen Gips an beiden Beinen. Ich konnte nicht in die Ferien. Im Pflegeheim haben sie mich aufgenommen, damit meine Mutter mal Ferien machen konnte. Ich wollte immer stehen, im Gips 20 Monate lang, da habe ich es probiert. Durch den Spasmus, da zieht es alles zusammen, wie ein Krampf, es schmerzt sehr, … riss der Gips. Bei der Hüfte links habe ich zu wenig Gelenkschmiere, man kann nichts machen.


Vor einer Augen -Operation habe ich Angst, lieber Hände weg.


Das Reisen habe ich angefangen, als meine Tanten noch gelebt haben. Meine erste Reise war nach Bern, damals musste man noch im Flughafen Kloten umsteigen. Ich ging zu meiner Schwester ins Inselispital, Helga, die arbeitete im Inselspital


Als meine Tanten im Pflegeheim waren, musste ich selbstständig wohnen im Ekkarthof. Ich habe selber z Morge und z Nacht gemacht. Dann habe ich weitergemacht. Ich durfte dann auf der Landwirtschaft sein. Im 2020, 1. März, zog ich ins Hus Brücke, mit Zimmer und Balkon, das war schön. Sie holten mich ab und ich ging in die Werkstatt, es gab immer einen betreuten Mittagstisch. Man musste sich immer an-abmelden. Es gab Präsenzlisten. Im Alterszentrum, da wohne ich heute, wird nichts abgezogen, auch wenn ich auswärts esse.


In Tägerwilen wohnte ich auch mal, aber das war umständlich wegen dem ÖV. Tägerwilen-Dorf ist nicht rollstuhlgängig, schon wegen dem Lift nicht. Von Tägerwilen- Gottshausen aus geht es besser. Wenn ich nach Zürich reise, fahre ich über Schaffhausen, dann komme ich oben an. Ich muss die Termine so legen, dass es nicht zu früh am Morgen ist.


Ich muss alle planen. Allein gehe ich fast lieber, dann werde ich nicht so ausgefragt, vor einer Stunde ist es mir passiert. Ein Kind hat mich gefragt, warum ich im Rollstuhl bin, meine Antwort: Du hast zwei Beine und ich habe vier Räder.


Es gibt viele Leute, die nicht damit fertig werden. Die Leute tun mir auch immer leid, wie willst du denen helfen???


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