Budget-Streichungen und Beistandschaft

27. Dezember 2024

Dezember 24  | TAB Bildungs-Kurs

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alles ausser gewöhnlich

Interview von Charlotte Mäder mit Anita Peter

Anita Peter: «Ich bin dagegen! Sie wollen mir das GA wegnehmen und auch das Taschengeld kürzen. Im GA ist doch der Begleitausweis drin. Ich brauche dann wieder Gesuche und ärztl. Zeugnisse für jede Begleitung. Ich weiss auch nicht, was die studieren!


Kurse wollen die auch streichen. Aber genau das bringt mich weiter! Wenn ich Kurse besuche, komme ich weiter. Am 14.09 haben wieder Abstimmungs-Kafi, der ist gratis, da hätte ich auch einen Kurs in St. Gallen bei pro Infirmis, aber der ist leider nicht rollstuhlgängig.



Ich weiss, was man mit dem Rollstuhl macht, ich melde Hindernisse  dem Bau-Amt. Doch nichts passiert. Ich denke, die nehmen mich nicht ernst. Iris von der Gruppe Mitsprache klärt ab, welche ÖV Betriebe die Cerebral-Gutscheine noch nehmen.


Wenn ich mal etwas Geld bräuchte, sagt man mir, ich soll doch Sponsoren suchen. Die Hof-Post kann ich auch nicht mehr lesen. Früher hatte es Fotos oder Nachrufe von Menschen, die starben oder weg gingen oder neu kamen. Jetzt haben die es so vereinfacht, das nicht nur ich es nicht mehr sehen kann. Ich habe es schon thematisiert.


Auch den Coiffeur und die Fusspflege wollen sie streichen. Alle 7 bis 8 Wochen gehe ich zum Coiffeur. Der Heimleiter tut blöd, ich wollte es barzahlen, er meint, die Umtriebe sind zu gross. 22.- für Haare schneiden, 70.- für Fusspflege. Ich brauche das. Eingewachsene Nägel kann ich nicht brauchen. Die Schuhe kann ich jetzt reparieren lassen.


Ich brauche einfach das GA, sonst kann ich nicht mehr zur Arbeit, oder komme überhaupt nicht mehr weg. Die Billett-Automaten kann ich nicht bedienen und die werden ja auch abgeschafft. Mit dem GA kann ich Umwege machen, oder Bahnunterbrüche ausfahren. Einmal musste ich bis nach Aarau, um zu kehren. Es gibt dann einfach keine rollstuhlgängigen Busse, oder es hat zu viele Leute, die sie da reinpferchen. Meine Beiständin sollte mal mitkommen. Die laden wir ein zum Kurs «unterwegs mit dem Rollstuhl im ÖV», das ganze Team der Beistände mal vor die Tatsache stellen! Herr Schärli, der Rechtberater, soll auch kommen. Ich bin sicher, denen ist das nicht bewusst.

Letzten Freitag, 17:15 mit Bus von Lengwil nach Weinfelden. Der Chauffeur fuhr los, bevor ich am Platz war und befestigt. Ich rollte die ganze Zeit nach vorn. Am Schluss reklamierte ich, er sagte, ich soll nicht mehr einsteigen. Wenn etwas passiert, ist er schuld. Das ist doch blöd. Aber hallo, wir bezahlen doch auch. Ich find es einfach unverschämt.


Ich muss noch mit Reinhold den Kurs planen, unterwegs mit dem Rollstuhl im ÖV.

Das GA sollte integriert sein, am Samstag sind ja auch keine Zentralen offen. In Zürich gibt’s rosa Karten oder blaue, die bekommt man von der Beistandschaft, dort. Ich verstehe einfach nicht, warum es hier nicht klappt.


Im Radio kommt die Sendung «Brunch». Denen habe ich auch geschrieben, ich warte auf Antwort. Ich würde hingehen für ein Interview. Im Alterszentrum würde ich aber keine Interviews machen, lieber diskreter. Ich habe Hemmungen, es wird weitergetragen. Ich denke dann, wo ist die Schweigepflicht. Für meine Meinung ist die an einem kleinen Ort. Darum sind wir jetzt auch hier im Restaurant.


Ich frage mich, wie es weitergeht. Was kommt auf uns zu? Respekt und Toleranz muss sein. Wir mussten als Kinder parieren. Wir kriegten noch Ohrwatschen, wenn wir nicht brav waren. Ist auch kein Respekt. Es ist gut, wenn wir das alles sagen dürfen, hier im blog-Kurs, dass es raus kann, das hilft. Ich mache mit beim Weinfelder Fritig im 2025 für das TAB Jubiläum 45ig. Ich helfe gerne, ich bin ja da. Jetzt muss ich zur Pro Senectute, keine Ahnung wo, können wir mal googeln? Ah, in Weinfelden, das ist gut.

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